Kartellschaden: Wenn Preise abgesprochen waren
Wer ein Produkt gekauft hat, dessen Preis durch ein Kartell überhöht war, kann den Aufschlag zurückverlangen. Der bekannteste Fall ist das LKW-Kartell – und der zeigt auch, warum dieses Gebiet vor allem Unternehmen betrifft.
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Rechtslage
Der Aufschlag ist der Schaden
Kartellrecht wird zweimal durchgesetzt: Die Behörden verhängen Bußgelder, und Geschädigte können daneben Schadenersatz verlangen. Das eine schließt das andere nicht aus.
Das LKW-Kartell
Die EU-Kommission stellte am 19. Juli 2016 fest, dass MAN, Volvo/Renault, Daimler, Iveco und DAF von 1997 bis 2011 Preise abgesprochen hatten, und verhängte Geldbußen von rund 2,93 Milliarden Euro. Für Käufer solcher LKW ist der Verstoß damit bindend festgestellt – zu beweisen bleibt der Aufschlag.
Solidarische Haftung
Nach der Rechtsprechung des OGH haften verurteilte Kartellanten dem Geschädigten solidarisch: Du kannst dich an einen Beteiligten halten, der Rest ist dessen Sache.
Zinsen ab dem Schaden
Der EuGH hat am 30. April 2026 auf Vorlage des OGH (3 Ob 215/24z) entschieden, dass der „vollständige Ersatz“ Zinsen ab dem Zeitpunkt des Schadenseintritts umfasst – nicht erst ab Klage oder Mahnung (C-191/25). Bei Käufen aus den Nullerjahren macht das den Großteil des Anspruchs aus.
Höhe
Ein Prozentsatz des Kaufpreises – der bewiesen werden muss
Die Rechnung
Der Schaden ist die Differenz zwischen dem gezahlten und dem Preis, der ohne Kartell gegolten hätte. Er wird meist als Prozentsatz des Kaufpreises geschätzt – wie hoch, ist Sache eines ökonomischen Gutachtens.
Ehrlich gesagt
Wir nennen keine Prozentzahl. Die Gutachten in den LKW-Verfahren kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen, und Gerichte schätzen im Einzelfall. Wer dir eine feste Quote verspricht, verspricht zu viel.
Ehrlichkeit bei Grenzfällen
Wo wir dir abraten
Bevor du Zeit investierst, die Punkte, an denen solche Fälle regelmäßig scheitern:
- Du bist Privatperson. Kartellschadenersatz betrifft in der Praxis fast nur Unternehmen – etwa Spediteure mit LKW-Flotten. Bei Konsumgütern ist der Aufschlag pro Person meist zu klein, um ein Verfahren zu tragen.
- Kein Bußgeldbescheid. Ohne eine bindende Feststellung des Verstoßes musst du das Kartell selbst beweisen. Das ist realistisch nur mit einer Behörden- oder Kommissionsentscheidung im Rücken.
- Kauf liegt sehr lange zurück. Verjährung und Beweislage – Rechnungen, Verträge – werden mit jedem Jahr zum Problem.

Fristen
Fünf Jahre ab Kenntnis
Kartellschadenersatzansprüche verjähren nach dem Kartellgesetz in fünf Jahren ab Kenntnis von Verstoß, Schaden und Schädiger. Beim LKW-Kartell ist der Kommissionsbeschluss von 2016 der übliche Bezugspunkt – wer sich darauf beruft, muss die seither vergangene Zeit erklären können.
Häufige Fragen
Kartellschaden
Ich habe als Unternehmer zwischen 1997 und 2011 LKW gekauft.
Dann bist du in der Kernzielgruppe dieses Gebiets. Wichtig sind Kaufverträge oder Rechnungen mit Datum, Hersteller und Preis – auch für geleaste Fahrzeuge.
Gibt es das auch bei Lebensmitteln oder Baustoffen?
Kartelle gab es in vielen Branchen. Der Unterschied liegt in der Höhe pro Kopf: Beim Einkauf im Supermarkt ist der Schaden je Person zu klein für ein Verfahren.
Muss ich beweisen, dass ich zu viel gezahlt habe?
Ja – den Verstoß nicht mehr, wenn er behördlich festgestellt ist, aber die Höhe des Aufschlags. Dafür braucht es ein Gutachten. Das ist der teure Teil solcher Verfahren.
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Diese Felder laufen bereits
Online-Casino-Verluste zurückfordern
Wer bei einem Anbieter ohne österreichische Konzession verloren hat, kann die Einsätze in vielen Fällen zurückfordern – rückwirkend über Jahre.
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Kreditgebühren zurückfordern
Bearbeitungsentgelt, Kontoführung, Spesen: Der OGH hat mehrere Bank-Klauseln gekippt. Bezahlte Gebühren können zurückgeholt werden.
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Dieselskandal: Schadenersatz
Der OGH hat einen Mindestschadenersatz von 5 bis 15 Prozent des Kaufpreises festgelegt – und das Auto darf man behalten.
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Flug verspätet oder gestrichen
Ab drei Stunden Verspätung stehen 250 bis 600 Euro zu – unabhängig vom Ticketpreis und zusätzlich zur Betreuung durch die Airline.
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Rechnungen und Verträge sind hier alles.
Wir sagen dir, ob dein Fall in ein laufendes Kartellverfahren passt – und ob sich das Gutachten lohnen kann.